Offline und Online Neid

Neid ist menschlich und evolutionär bedingt. Laut Definition ist es ein Vergleich mit anderen Personen und Feststellung, dass diese etwas haben, was wir auch gerne hätten. In der Geschichte kommt Neid oft im Zusammenhang mit Ressourcenknappheit vor. Psychologen und Psychiater stellten in Studien fest, dass Neid wichtig für das Zusammenleben in Gruppen sei. So wird das Gerechtigkeitsgefühl angeregt und Werte und Normen finden ihren Zugang.

Sind wir am Balkan „mehr neidisch“? Obwohl mich einige Themenvorschläge dazu erreicht haben, kann es so durch viele Studien nicht bestätigt werden. Neid findet man über alle Länder und Kulturen hinweg gleichermaßen.

Damals ging es noch tatsächlich ums Überleben. Aber um was geht es heute? Ansehen, Wertschätzung, Respekt? Social Media lässt grüßen! Like-Neid ist eine besondere Form von Neid, der auf der gesamten Social Media Initiative beruht. Laut Kaspersky Lab führt der ganze „Gefällt mir“-Wahn zu schlechten Stimmungen und Like-Neid, wenn die anderen ein aufregendes Leben zeigen und meine geposteten Inhalte bei der Community keinen Anklang finden. Die Folgen:

  1. Phishing! Menschen werden leichtsinniger mit ihren Daten und Aktionen, posten immer mehr und wollen Interaktion mit ihren vermeintlichen Freunden oder Followern.
  2. Cyber-Depression! Das Selbstwertgefühl sinkt, schlechte Stimmung und Niedergeschlagenheit.

Ist Neid nun gut oder schlecht? Es liegt in der Natur des Menschen neidisch zu sein, daher können wir das Gefühl nicht komplett „ausschalten“. Aber wir können die Perspektive ändern und es uns ins Bewusstsein rufen. Schaffen wir es, den Neid in Bewunderung umzumünzen, können wir so unsere Motivation fördern, das Gefühl positiv lenken und den Fokus auf unsere eigenen Ziele setzen.

Die Bewunderung von Role Models, kurz gesagt, erfolgreichen Personen, die inspirieren, ist der erste Schritt in Richtung Empowerment! Hier geht’s zum Interview ‚Die Macht von Vorbildern!‘

Literatur: Schoeck, H.: Der Neid. Die Urgeschichte des Bösen und IT-Rebellen

Aspekte der Integration

Kadina ist sehr dankbar für ihr Leben in Deutschland und ihre Kindheit in Bosnien. Im Interview zählt sie die 5 Aspekte einer gelungenen Integration auf!

Name: Kadina Oliverio geb. Masic
Beruf: Senior Associate (Personalberaterin)
Geboren in: Slavonski Brod

Lebensmotto: Loslassen und aus Fehlern lernen!
Das finde ich schräg/lustig/krass: Lustig finde ich, wenn mein Mann (Italiener) auf Bosnisch schimpft.
Das motiviert mich: Wenn ich mich weiterentwickeln kann und etwas Neues lernen kann. Es motiviert mich aber auch, dass ich durch mein Wissen und meine Lebenserfahrung anderen Menschen helfen sowie andere glücklich machen kann! 

Erzähle uns bitte kurz, was du gerade beruflich machst!
Kadina: Ich arbeite zurzeit bei einer internationalen Personalberatung, Michael Page Deutschland und vermittle Fach- und Führungskräfte für HR-Positionen in Festanstellung.

Welches Mindset hast du und warum bzw. wie hast du dieses Mindset entwickelt?
Kadina: Loslassen und aus Fehlern lernen, etwas aus Überzeugung machen, Tränen wegwischen und Lächeln, die Vergangenheit akzeptieren und die Zukunft leben, weiterkämpfen, obwohl die Kraft fehlt!

Mein Mindset habe ich durch meine Eltern, den Krieg, das neue Leben in Deutschland, Trainings, Coachings und meine Mentoren, weiterentwickelt.

Was bedeutet für dich eine „gelungene Integration“?
Kadina: Eine gelungene Integration bedeutet für mich:

  • Die Landessprachen lernen.
  • Einen Abschluß machen (Schulabschluss, Ausbildung, etc.).
  • Sich auf die neue Heimat und die Menschen einlassen.
  • Die Möglichkeiten nutzen, die dir das neue Land bietet.
  • Dankbarkeit zeigen und nicht alles als Selbstverständlich hinnehmen.

An was denkst du sofort, wenn du Empowerment hörst?
Kadina: An Freiheit, neue Chancen und Möglichkeiten!
Ich bin frei und entscheide wer ich sein möchte!
Für mein Leben bin ich alleine verantwortlich.

Wie sieht dein Background aus?
Kadina: Ich komme aus einer kleinen Stadt in Bosnien, Bosanski Brod. Unsere Stadt war vor allem durch die Raffinerie, Fußball und Handball bekannt. Meine Kindheit war glücklich und unbeschwert, bis der Krieg ausbrach. Ich bin im März 1992 mit meiner Mama und meinem Bruder zu meiner Tante nach Deutschland geflüchtet. Leider sah ich meinen Vater zum letzten Mal als wir uns am Hauptbahnhof in Slavonski Brod verabschiedet haben. Er kam im August 1992 ums Leben. Was hätte ich damals für ein WhatsApp Video mit meinem Vater gegeben.

Es war kein einfacher Start in Deutschland. Fremdes Land, neue Sprache, keine Freunde, damit muss man erst Mal mit 12 Jahren umgehen können. Aber ich habe mir bestimmte Ziele gesetzt, welche ich auch erreicht habe. Ich habe Abitur gemacht und habe ein Hochschulabschluss in Molekular Biologie.

Aus welchem Grund schreibe ich das alles? 
Weil ich zeigen möchte, dass wir vom Balkan das beste Beispiel für eine gelungene Integration sind. Das wurde einfach vergessen bzw. das erwähnt leider keiner! Deshalb müssen wir uns sichtbar machen.

Heute ist Deutschland meine Heimat. Aber ich werde nie vergessen, woher ich komme. Ich bin für meine Kindheit in Bosnien und mein Leben in Deutschland sehr dankbar.

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Kennst den Tschusch?

Tschusch ist in Österreich eine abwertende umgangssprachliche Definition einer Person vom Balkan. Eine Beleidigung und soziale Ausgrenzung.

Wer darf das sagen? Ist es so wie beim N, P und K Wort? Nur die Community unter sich hat das Recht sich diese Wörter an den Kopf zu werfen? Wie beim Thema ‚Lesben dürfen nur Witze über Lesben machen‘ stellt sich hier die Frage, wer entscheidet überhaupt, wer das Recht hat, etwas darüber zu sagen und wer nicht? Gehen wir aber einen Schritt zurück und schauen wir uns die Definition an.

Laut Wikipedia gibt es drei mögliche Ursprünge des Wortes Tschusch:

  • Südslawische Arbeiter riefen sich beim Bau der Eisenbahn (Österreich, 1860-1880) immer wieder čuješ (ausgesprochen: ‚tschujesch‘) zu, wenn sie sich durch den Baulärm nicht hörten. Das bedeutet „hör zu“.
  • Lasttiere wurden am Balkan damals mit dem Ausruf ćuš (ausgesprochen: ‚tjusch‘) angetrieben. Bei der Okkupation Bosniens durch Österreich-Ungarn im Jahr 1878 sei so dann Tschusch als Volksbezeichnung entstanden.
  • Es könnte sich auch um eine Ableitung vom Wort „Tschauschen“ handeln. Die Hofbeamten vom Sultan im osmanischen Reich wurden so genannt. Heute wird es in Serbien zum Beispiel auch als Wort für den „Hochzeitsbitter“ verwendet.

„Du Voll-Tschusch!“ – was so viel bedeutet, wie „du agierst gerade wie ein nicht-integrierter Ausländer und machst dich lächerlich“. Die abwertende Bedeutung stieg mit den Jahren sehr an. Die Doppelmoral an der Sache: Jugos untereinander sagen es sich andauernd. Oft auch um dem Gegenüber zu signalisieren, dass er sich gerade mit einer Aussage oder einem Verhalten nicht „integriert“ genug verhält. Sozusagen, den Jugo raushängen lässt. Der Gegenüber empfindet dies jedoch nicht als persönlichen Angriff.

Anders ist es, wenn Österreicher das Wort verwendet. Eine Ausgrenzung und Diskriminierung werden dadurch getriggert. Ein emotionaler innerer Ausbruch entsteht! Vielleicht, weil wir als Kinder Diskriminierung miterlebt haben, vor allem an unseren Eltern, die wenig Deutsch gesprochen haben?

Warum triggert es uns weniger, wenn Gleichgesinnte das Wort sagen? Egal, ob vom Balkan oder nicht, für jeden sollten doch die gleichen Rechte gelten. Wenn wir Tschusch oder Švabo als Beleidigung definieren, dann sollten wir es aus unserem Wortschatz entfernen – oder?

Die Macht von Vorbildern

Berrin, leidenschaftliche Lehrerin für Englisch und Sport, ist mit drei Sprachen groß geworden und weiß, wie wertvoll dieser Muttersprachen-Schatz ist.

Name: Berrin Balkan

Beruf: Lehrerin für Englisch und Sport

Geboren in: Bayrampasa, Istanbul

Lebensmotto: Alles geschieht aus einem bestimmten Grund, deshalb sei dankbar für jeden Moment.

Lieblingsspruch vom Balkan: „Pamet u glavu, sine.“ – Dieser Spruch begleitet nicht nur mich mein ganzes Leben schon.

Das finde ich schräg/lustig/krass: Dass ich nicht nur eine Heimat habe, sondern direkt drei.

Das motiviert mich: Jeden Tag die Möglichkeit zu haben von SchülerInnen die Lieblingslehrerin zu sein.

Ihre Großeltern kommen aus dem Sandžak und sind in den 60er Jahren nach Istanbul ausgewandert, wo Berrin auch geboren wurde. Danach folgte die Auswanderung nach Deutschland. Im Kindergarten lernte sie Deutsch. Ihren beruflichen Werdegang wählte sie aufgrund von ihrem Vorbild. Welchen Einfluss Role Models auf die Entwicklung eines Kindes haben kann, erklärt sie im Interview!

Erzähle uns bitte kurz, was du gerade beruflich machst!

Berrin: Ich arbeite derzeit an der deutschen Schule in Dubai als Grundschullehrerin. Nach meinem Referendariat habe ich mich vorerst gegen die Verbeamtung entschieden und wollte flexibel sein. Ich wollte unbedingt noch einmal im Ausland leben und eine neue Kultur kennenlernen. Und ehrlich gesagt wollte ich einfach mal wissen, wie es ist ein ganzes Jahr Sommer zu haben. Obwohl ich keine ausgebildete Grundschullehrerin, sondern Sek 1 Lehrerin bin, macht mir die Arbeit in der Grundschule Riesenspaß.

Warum hast du dich für deinen Beruf entschieden?

Berrin: Ich wollte schon immer Lehrerin werden, weil meine Grundschullehrerin damals sehr an mich geglaubt hat und mein Vorbild war. Sie hat meiner Mutter damals die Hand gehalten und hat ihr versichert „Berrin wird ihr Abitur schaffen und auch ihr Studium. Sie wird alles schaffen, was sie sich vornimmt.“ Dieser Satz hat mein ganzes Leben geprägt. Immer als auf dem Gymnasium ein Lehrer nicht an mich geglaubt hat, habe ich mich an meine Grundschullehrerin erinnert. Das war meine Motivation Lehrerin zu werden. Ich möchte genau die Lehrerin werden, die an die Kinder glaubt und sie motiviert an sich selbst zu glauben.

Als Lehrkraft hat man sehr großen Einfluss auf das Leben von Kindern und Jugendlichen. Man kann diese „Macht“ zum Guten nutzen oder Kindern das Leben erschweren.

Welches Mindset hast du?

Berrin: Ich bin ein sehr positiver Mensch. Ich möchte für jedes Problem eine Lösung finden und ich bin mir sicher, dass es für jedes Problem auch eine Lösung gibt. Meine Oma sagte immer, nur für den Tod gibt es keine Lösung. Dann habe ich einen Schicksalsschlag im Leben gehabt, was mir gezeigt hat niemandem zu trauen. Es gibt für nichts eine Garantie im Leben und ich bin mir sicher, dass im Leben nichts ohne Grund geschieht. Man wird mit jeder Erfahrung reifer und ich bin mir auch sicher, dass mit jedem Schicksalsschlag unsere Geduld geprüft wird und inwiefern wir uns davon verbiegen lassen. Ich werde weiterhin alles positiv sehen und bin mir sicher, dass ich alles erreichen kann, was ich mir vornehme.

Welche Skills helfen dir in deinem Job?

Berrin: Meine Sprachen, weil ich meinen SchülerInnen ein Sprachvorbild sein kann. Hilfsbereitschaft, Empathie und meine Motivationsfähigkeit.

Würdest du sagen, dass du aufgrund deines Migrationshintergrundes Skills entwickeln konntest, die andere nicht haben oder erst später gelernt haben?

Berrin: Definitiv, dass ich multilingual aufgewachsen bin. Meine Großeltern haben mit mir Bosnisch gesprochen und meine Eltern haben Türkisch und Bosnisch gesprochen. Erst im Kindergarten habe ich Deutsch gelernt. Auch wenn es in der Schulzeit mit der deutschen Sprache nicht einfach war, habe ich irgendwann gemerkt, dass ich Sprachen einfacher lernen kann und diese mir in meinem Alltag helfen können.

Was würdest du angehenden Lehrern empfehlen?

Berrin: Viel Geduld und den Spaß nicht verlieren. Kinder lernen am besten, wenn sie Spaß im Unterricht haben und dafür muss man selber erst Spaß an seinem Job haben. Dann kann ich auch viele tolle LehrerInnenprofile im #instakollegium empfehlen, die viele hilfreiche Tipps für den Schulalltag haben. Auf meinem Instagram Profil teile ich meine Erfahrungen aus dem Ref und auch meine Unterrichtsentwürfe aus dem Ref.

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Dass Vorbilder eine motivierende Wirkung auf Kinder und Jugendliche haben, ist unumstritten. Umso wichtiger ist es daher diese Power einzusetzen und Integration durch Role Models zu fördern. Image, Inspiration, Empowerment – mit BALKAN MINDS schaffen wir eine solche Plattform!

Praktikum Content Manager:in

BALKAN MINDS ist eine ehrenamtliche Plattform für hochqualifizierte Absolventen und Berufstätige mit Migrationshintergrund aus unterschiedlichen Branchen, mit dem Ziel Erfahrungen auszutauschen, Weiterbildungen anzubieten und Karrierewege zu unterstützen. So schaffen wir mehr Transparenz und Wertschätzung für Kompetenzen, die durch das Aufwachsen in zwei Kulturen entstehen.

Zur Unterstützung suchen wir eine Person im Ehrenamt für unser Content Management im Ausmaß von 10 Std/Woche von Mai bis August mit Anschluss an ein 4-wöchiges Praktikum im September. Die Stelle kann als Pflichtpraktikum im Rahmen des Studiums angerechnet werden.

Praktikum: Content Manager:in

Deine Aufgaben:

  • Mithilfe bei der Erstellung des Redaktionsplanes
  • Planung, Konzeption und Kreation von crossmedialem Content
    (Website, Social Media, Podcast, etc.)
  • Pflege von redaktionellen Beiträgen in WordPress
  • Betreuung von Social Media Kanälen
    (Content Creation, Monitoring, Evaluation)
  • Themen- und Trendscouting in der Community
  • Planung von Aktivitäten rund um den Aufbau des Netzwerks
  • Anbahnung von Kooperationen und Erstellungen von Angeboten
  • Mithilfe in der Eventorganisation inkl. Marketing & PR

Was wir von dir erwarten:

  • Laufendes Studium im Bereich Journalistik, Slawistik, BWL oder Kommunikations- bzw. Medienwissenschaften
  • Hohe Affinität zu Social Media und Trends am/vom Balkan
  • Keine praktischen Erfahrungen notwendig, aber ein Gespür für guten Content und die Freude am Texten
  • Eigeninitiative, Engagement, Kreativität und Selbstständigkeit
  • Dienstort Salzburg, Reisebereitschaft in Österreich
  • Deutsch in Wort und Schrift

Auf das kannst du dich freuen:

  • Praxiserfahrung und Skills-Erweiterung durch Know-how Transfer
  • Umfassende Einblicke im Content Management Bereich
  • Kreativer Spielraum für dich und deine Ideen
  • Selbstständig Interviews führen und Netzwerk ausbauen
  • Studienbezogener Fortbildungsplan basierend auf Interessen und Fähigkeiten
  • Einschulung Digital Marketing (SEO, SEA)
  • Einschulung Content Erstellung (InDesign, Photoshop)

Zu Beginn deines Praktikums entwickeln wir gemeinsam den Einschulungsplan. Danach arbeitest du eigenverantwortlich und setzt deine Ideen um.

Interessiert? Dann freuen wir uns auf deinen Lebenslauf mit Angabe von drei Gründen, warum du gerade die richtige Person für diese Position bist.

Hier bewerben: Mag. Nela Pecic, Founder Balkan Minds, office@balkan-minds.com

Entfremdung

Wer von uns spricht 100% seiner Muttersprache? Wer von uns kennt tatsächlich alle Bräuche und Traditionen der Ursprungsheimat?

Wenn wir uns bewusstwerden, dass es zu einer Entfremdung kommen kann, können wir dem entgegenwirken. Besonders wichtig ist das für die Kinder, die im DACH Raum geboren sind oder aus gemischten Partnerschaften stammen. Die Kompetenzen, die unsere Kinder durch eine Entfremdung verlieren, sind nicht zu unterschätzen. Allein die Mehrsprachigkeit bringt enorme Vorteile für den Arbeitsmarkt sowie für die kognitive Entwicklung. Siehe auch Artikel Mehrsprachigkeit oder Zweiheimisch.

Back to the roots

Der erste Schritt „Bewusstwerden der Entfremdung“ ist nun gesetzt. Weiter geht’s mit den Maßnahmen! Was wir tun können:

  • Podcasts auf der Muttersprache hören – zum Beispiel Mentalni Nudista
  • Bücher lesen und Kinderbücher vorlesen – zum Beispiel hier stöbern Najbolje Knjige
  • Organisiert Kinder Spielegruppen, wo nur in BKS gesprochen wird.
  • Folgt Accounts auf Social Media, die sich mit Kultur und Tradition am Balkan beschäftigen – zum Beispiel Balkanism
  • Traditionen, wie Weihnachten oder Bajram, auch in gemischten Partnerschaften vorleben.
  • Am Tag bewusst in der Muttersprache kommunizieren – Tandem mit Personen, die zu 100% BKS sprechen oder erst vor kurzem in den DACH-Raum gezogen sind.

Viele Menschen mit Migrationshintergrund haben im Ursprungsland Häuser oder Wohnungen, für die unsere Eltern hart gearbeitet haben und die leer stehen. Wir können dies nun zu unserem Vorteil nutzen und längere Zeit in dem Ursprungsland verbringen, mit den Menschen in Austausch gehen und Erfahrungen direkt vor Ort sammeln. Aus Unternehmenssicht bieten New Work Modelle sogar die Möglichkeit längere Zeit Teleworking oder Home Office zu machen. Das sogenannte Sommer Loch, Juli und August, bietet den perfekten Zeitrahmen dafür.

Typische BALKAN MINDS

1922 führte Walter Lippmann den Begriff Stereotyp ein. Laut Lippman sind Stereotypen „verfestigte, schematische, objektiv weitgehend unrichtige kognitive Formeln, die zentral entscheidungserleichternde Funktion in Prozessen der Um- und Mitweltbewältigung haben“. Kurz gesagt: eine bestimmte Vorstellung von Personen oder Gruppen. Stereotyp wird oft negativ behaftet gesehen, da der Mensch somit zuerst urteilt, bevor er sein Gegenüber richtig kennen lernt.

Die BALKAN MINDS in der Diaspora

Als BALKAN MINDS bezeichnen wir Menschen, die ursprünglich aus einem der Balkan Staaten stammen, jedoch ihre Kindheit in einem anderen Land (Deutschland, Schweiz, Österreich, etc) verbracht haben – also Menschen mit Migrationshintergrund. Die BALKAN MINDS definieren sich durch zwei Kulturen und wertvollen Kompetenzen, die im Zusammenhang mit gesellschaftlichen und familiären Herausforderungen, früh erlernt wurden. Dazu zählen Mehrsprachigkeit, Durchsetzungsvermögen, Verantwortungsbewusstsein, Anpassungsfähigkeit, Empathie, u.v.m. Die BALKAN MINDS sind das Paradebeispiel einer gelungenen Integration.

Eine Parallelkultur

Menschen mit Migrationsbiografie erleben zwei Kulturen gleichzeitig. Viele können sich aber nicht eindeutig einer Kultur zuordnen. So entsteht eine Art Parallelkultur, eine dritte Dimension, wo Eigenschaften der zwei Kulturen miteinander verbunden werden. Die Suche nach Gleichgesinnten beginnt. BALKAN MINDS schafft so die perfekte Plattform für die Diaspora. Wir durchbrechen die Stereotypen, die nach wie vor im DACH-Raum verankert sind. Wir zeigen, dass die Integration mehr als gelungen ist und wie die Gesellschaft von unseren Skills profitiert.

Stereotypen durchbrechen

Wir haben uns im Arbeitsumfeld und Freundeskreis umgehört. Daraus ergaben sich 6 Stereotypen der „Balkan Community“:

  1. Teure Autos & Markenklamotten, aber auch die Jogginghose darf nicht fehlen.
  2. Die Familie hat Prio 1. Es wird jung geheiratet. Viele Kinder sind der Standard.
  3. Es gibt nur deftiges Essen. Brot muss immer dabei sein. Alkohol wird sehr viel getrunken.
  4. Der Jugo in der Runde übernimmt meistens die Rechnung im Restaurant.
  5. Die Frauen sind immer gestylt, vor allem beim Ausgehen.
  6. Alle wachsen im sozial benachteiligten Umfeld auf.

Manche Stereotypen haben sich seit der Flüchtlingsphase in den Köpfen manifestiert, wobei auch in jedem Stereotyp ein Funken Wahrheit steckt. Lasst uns nun die Punkte durchbrechen:

  1. Durch die besseren Gehälter und besseren Jobs am Arbeitsmarkt, können wir uns diesen Standard leisten und greifen eher zu Markenklamotten. Wir leisten uns das, was sich unsere Eltern nicht leisten konnten. In der Garage steht jedoch auch mal eine andere Automarke als BMW und Mercedes.
  2. Die Ich-Zeit wurde eingeführt. Was damals noch undenkbar war, wird heutzutage von der Balkan Diaspora gelebt. Das Großfamilien-Leben rückt etwas in den Hintergrund, vor allem wenn es darum geht, gemeinsam in einem Haushalt zu leben. Frauen werden nicht mehr unter Druck gesetzt jung zu heiraten und Kinder zu kriegen. Das Alter, wann eine Frau Kinder bekommt, rückt auch in der Balkan Community nach hinten.
  3. Ćevape, Burek, Bohnensuppe, generell Fleisch und Weizen kommen auf den Tisch. Das deftige Essen und der Alkohol gehören zur Kultur. Es wird aber nun bewusster gegessen und Vollkornprodukte, Chia, sowie Avocados finden sogar in den Balkan Ländern ihren Weg auf den Essenstisch.
  4. Ja, der Jugo zahlte früher die Rechnung. Heutzutage haben wir uns der westlichen Kultur angepasst und können auch mit ruhigem Gewissen „getrennt“ zum Kellner sagen.
  5. Die extrovertierte Mode, die in den Jugo Musikvideos zu sehen ist, wird eher in Städten wie Belgrad oder Zagreb getragen. Im DACH-Raum orientieren sich Frauen der Balkan Diaspora am westlichen Style.
  6. Durch die bessere Ausbildung und das neue Mindset brechen wir aus der sozialen Benachteiligung aus. Den Grundstein legten unsere Eltern durch harte Arbeit und Durchhaltevermögen.

Der Durchbruch der Stereotypen spiegelt sich in der Parallelkultur wider. Wir passen uns den neuen Gegebenheiten und dem westlichen Lifestyle an, zahlen aber so den Preis der Entfremdung von der ursprünglichen Kultur.

Diaspora Humor

Eine Bewältigungsstrategie

Humor ist nicht nur eine Eigenschaft, die oft bei der Partnersuche genannt wird, sie hilft auch bei der Bewältigung von Stresssituationen. Festgefahrene Denkmuster und eigene Erfahrungen können mittels Humor verarbeitet werden. Vor allem Menschen mit Migrationshintergrund profitieren davon, ihre Erlebnisse mit Humor zu nehmen und nach vorne zu schauen. Zudem fühlt man sich nicht allein mit den Erfahrungen – sei es Rassismus, Gewalt oder die Identitätsfrage.

Balkan Memes & Co

Instagram, Facebook & Tik Tok bieten einige Accounts, die sich auf Humor fokussieren und auch auf brisante Themen aufmerksam machen. Zum Beispiel sprechen Balkan_Memes und Yugojokes (Instagram) sehr erfolgreich unterschiedliche typische Balkan Situationen an. Sogar schwarze Pädagogik wird so mit Humor bewältigt.

Balkandad fokussiert sich auf die Vaterrolle und macht lustige englische Videos, wie „when a Balkandad fixes his sons bike“ oder „When your Balkandad screams out of nowhere“.

Malarina tourt 2022 durch ganz Österreich mit ihrem Solo „Serben sterben langsam“ – absolut sehenswert und zum Totlachen wie sie auf Assimilation und die Schwäche der Serben für HC Strache eingeht!

Toxische Pommes spricht mit ihren Videos nicht nur Balkan Leute an. Mit viel Sarkasmus veranschaulicht sie auch Themen der österreichischen Community oder setzt diese in Relation zur Balkan Community.

Im Podcast BALKAN BRILLE (auf Spotify und Prime zu hören) diskutieren Džana (Diversity Expertin) und Nela (Gründerin BALKAN MINDS) monatlich über aktuelle Themen der Community – mit Humor, Ironie und Ernsthaftigkeit. Dabei setzen sie den Zuhörern die Balkan Brille auf!

Empowerment mit Humor

Wir haben hier nur einige wenige Initiativen rausgepickt, die mit Humor die Kommunikation für Tabu Themen anregen. Die Zielgruppe in der Diaspora ist dafür umso mehr empfänglich, da sie Verständnis und Zugehörigkeit fördern. An dieser Stelle vielen Dank an alle Comedians und Meme Seiten, die diesen wertvollen Beitrag leisten!

Mehrsprachigkeit

Wir sprechen BKS, Jugodeutsch und Deutsch!

BKS ist die Abkürzung für Bosnisch, Kroatisch, Serbisch. Früher hätte man auch „jugoslawisch“ gesagt – aber das war mal. Die Sprachen unterscheiden sich in der Aussprache und ein paar Wörtern, aber wer eine der BKS Sprachen spricht, der versteht auch die anderen.

Was uns in der Diaspora aber tatsächlich verbindet ist DEUTSCH. Die meisten Menschen der 2. Generation mit Migrationsbiografie sprechen Deutsch viel besser als die eigene Muttersprache.

Mischen ist OK! Wir mischen unbewusst und wenn uns die Vokabeln in der jeweiligen Sprache nicht einfallen. Unser Gehirn sucht eben schnell nach Wort-Alternativen. In der Wissenschaft wird das mit einem Hirn-Multitasking in Verbindung gesetzt. Durch das ständige hin und her wechseln der Sprachen, wird der vordere Teil des Gehirns trainiert. Daraus resultieren auch andere Kompetenzen, wie Problemlösung und das Erledigen von mehreren Aufgaben gleichzeitig.

Und das Beste zum Schluss: Laut Studien kann Mehrsprachigkeit die Demenz um 5 Jahre verzögern!

Unsere Brand Purpose

Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist gefühlt so alt wie die Menschheit selbst. Doch dieses Thema ist für den Blog zu abstrakt, daher fragten wir uns was ist der Sinn ZUM Leben? D.h., was tun wir in der Community oder könne wir tun, was uns Spaß bereitet und zugleich uns und andere weiter bringt.

Was ist eine Brand Purpose?

Arbeitnehmer wie auch Kunden zeichnen sich mittlerweile mit einem kritischen Blick gegenüber Unternehmen aus und begutachten die sogenannte Brand Purpose. Doch was ist das? Die Brand Purpose stellt eine klare, gesellschaftsethische Überzeugung des Unternehmens dar.

Sie beantwortet die Frage, welchen Sinn stiftet mein Unternehmen bzw. welchen gesellschaftlichen Mehrwert bewirken die Aktivitäten meines Vorhabens. Der Name des Unternehmens – also die Marke – fixiert somit einen tiefgreifenden Wert, der für eine markante, authentische Identität sorgt.

Brand Purpose vs. Corporate Social Responsibility

Die Brand Purpose darf nicht mit der Corporate Social Responsibility (CSR) verwechselt werden, denn die Purpose geht darüber hinaus. Als Synonym sollte es auch nicht verwendet werden. Vielmehr dient die CSR (neben vielen weiteren Aktivitäten) der Brand, um genau diesen „Sinn“ darzustellen.

Alignment von Purpose und Corporate Social Responsibility

Laut Forbes muss sich die Purpose auf fünf Schlüsselbereiche konzentrieren, wobei der Schwerpunkt auf der Art und Weise liegt, wie ein Unternehmen seine Dienstleistungen und Produkte als Ganzes anbietet.

KUNDEN BEGEISTERN: die Purpose erklärt, warum das Unternehmen überhaupt existiert, wobei die Bedürfnisse der Kunden im Mittelpunkt stehen.

TEAM EINBINDEN: das Engagement der Mitarbeiter wird durch ein Gefühl der Wertschätzung gefördert, und dieses entsteht, wenn jeder einen Zweck oder ein Ziel hinter seinen täglichen Aufgaben und seiner Rolle sieht.

ETHISCHES VERHALTEN IN DER GESELLSCHAFT: die Auswirkungen des Unternehmens auf die Gesellschaft als Ganzes in finanzieller, ökologischer und sozialer Hinsicht sind wichtig, daher sollten ihr eure Entscheidungen auf dieser Grundlage treffen.

FAIR PLAY: Schafft eine positive Arbeitsplatzkultur, die konsistente Arbeitsweisen und bewährte Praktiken wie Fairness fördert.

STAKEHOLDER BEDIENEN: eine Organisation muss allen ihren Interessengruppen (von den Mitarbeitern über die Kunden bis hin zu den Eigentümern) positiv dienen, um eine Wirkung zu erzielen.

Die fünf Punkte machen deutlich, dass es bei der Zielsetzung darum geht, wofür eine Organisation steht.

Für die Diaspora, mit der Diaspora – that’s Balkan Style!

BALKAN MINDS steht für Empowerment der Diaspora, Sensibilisierung und Transparenz.

Der Sinn von BALKAN MINDS ist die Formierung einer Plattform für Menschen mit Migrationshintergrund vom Balkan und Umgebung, die in Österreich, Deutschland und der Schweiz aufgewachsen sind. Ein Netzwerk aus hochqualifizierten Absolventen und Berufstätigen aus unterschiedlichen Branchen, um Erfahrungen auszutauschen, Weiterbildungen anzubieten und Karrierewege zu unterstützen. Mit dem Ziel mehr Transparenz und Wertschätzung für die Kompetenzen zu schaffen, die durch das Aufwachsen in zwei Kulturen entstehen.