Bewerbung und Diskriminierung

Vorbilder, Role Models im Interview

Personen mit ausländischen Wurzeln fühlen sich nach wie vor im Bewerbungsprozess diskriminiert. Diese Behauptung stellt die jüngste Studie von Indeed auf, wonach sich über 50% der Befragten bei der Jobsuche benachteiligt fühlen. Online findet man darüber einige Studien, Berichte und Masterarbeiten. Aber was sagen Personen im Recruiting? Džana Schütter, HR-Managerin und gebürtige Bosnierin, beschäftigt sich seit über 5 Jahren unter anderem mit solchen Themen. Im Interview erzählt sie, wie Unternehmen diesen Kreislauf durchbrechen können:

Džana: Ich möchte auf zwei Erfolgsfaktoren eingehen:

Anonymisierter Bewerbungsprozess

Diversity im HR-Bereich

Ein komplett anonymisiertes Bewerbungsverfahren, wo personenbezogene Daten wie Name, Herkunft, Foto, etc. erst gar nicht in den Prozess miteinfließen, sollte einem herkömmlichen Bewerbungsprozess vorgezogen werden. Dies muss für alle Bewerbungen gelten! Ansonsten werden die anonymen Dokumente erst recht aussortiert. Durch ein allgemeingültiges Verfahren wird das Hauptaugenmerk auf die Qualifikationen gelegt. In einer Branche, wo ein Fachkräftemangel vorhanden ist, haben Skills und Fähigkeiten einen deutlich höheren Stellenwert als die soziale oder ethnische Herkunft. Das muss für alle Branchen greifen.

Ich möchte hier auch kurz die Gender-Regelung in den Stellenanzeigen erwähnen. Die 3 kleinen Wörter m/w/d bewirken, dass sich mit hoher Wahrscheinlich auf eine männliche Stellenausschreibung auch Frauen bewerben, die zuvor solche Positionen nur überflogen hätten. Eine positive Änderung ist zu spüren. Analog zur Herkunft denke ich, dass ein anonymer standardisierter Bewerbungsprozess helfen kann, Stereotypisierungen abzubauen, und somit ein positives Umdenken gefördert wird.

Als zweiten wichtigen Punkt möchte ich die Diversität in allen Bereichen hervorheben. So werden vor allem im HR-Umfeld unterschiedliche Perspektiven eingenommen. Ein vielfältiges Recruiting Team ist aus meiner Sicht einem homogenen vorzuziehen. Die Gründe sind:

  • Abbau von sprachlichen Barrieren bei Bewerbungen ausländischer Herkunft!
  • Höhere Empathie und Verständnis für kulturelle Unterschiede!
  • Erkennen von Fähigkeiten und Skills im Zusammenhang mit dem Aufwachsen zwischen zwei Kulturen!
  • Systematische und unternehmensweite Förderung von Diversity in den Teams möglich!

Ich frage mich oft, wie ein Diversity Management mit dafür zuständigen homogenen Personen betrieben werden kann. Es liegt auf der Hand, dass ein buntes Team die Vielfältigkeit im Unternehmen fördert!

Zu den oben genannten Punkten habe ich noch eine Anekdote: Ich hatte vor nicht sehr langer Zeit ein interessantes Bewerbungsgespräch. Dabei merkte ich schnell, welche unausgesprochenen Skills derjenige/diejenige ins Unternehmen mitbringen würde. Die Person ist aus ihrem Heimatland weggezogen, um ein männerdominiertes Studium in einer ihr fremden Sprache zu absolvieren. Ein neues Land, wo erst ein Netzwerk aufgebaut werden muss, wo man keine Angst vor Zurückweisung haben darf und mit einer großen Portion Mut an die Sache gehen muss. Die Skills, die ich hier sehe, sind: Geduld, Durchsetzungsstärke, selbstständiges Arbeiten, Flexibilität und vor allem ein enormer Lernwille.

Noch mehr Stories gibt es ab Januar 2022! Dabei setzen wir euch die Balkan Brille auf und reden über unterschiedliche Themen im Diversity Bereich. Mit Humor und Sarkasmus hinterfragen und kritisieren wir wirtschaftliche Inhalte sowie kulturelle Unterschiede in Lifestyle, Erziehung, Partnerschaft und Karriere.

Podcast Balkan Brille

Im Empowerment-Podcast “Balkan Brille“ diskutieren Džana Schütter (Diversity Expertin) und Nela Pecic (Gründerin Balkan Minds) ab Januar 2022 monatlich über aktuelle Themen der multikulturellen Gesellschaft. Die zweite Generation der aus dem Balkan eingewanderten Personen wird immer präsenter in Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Journalismus. Diese Generation „mit Migrationshintergrund“ sitzt zwischen zwei Kulturstühlen. Unsicherheit, Selbstzweifel aber auch Durchsetzungsvermögen und emotionale Stärke prägen sie.

Džana & Nela möchten daher mit dem Empowerment-Podcast das Bewusstsein für diese Thematik schaffen. Daraus ergeben sich vielfältige Themen, die die Community bewegen. Zum Beispiel politisches Engagement, Integrationsförderung, Heimat, Macht der Sprache, gemischte Partnerschaften, Kindererziehung, Subkulturen in Unternehmen, erfolgreiche grenzübergreifende Geschäftsbeziehungen, uvm.

Džana & Nela stellen klar: „Wir setzen den Zuhörern die Balkan Brille auf! Dabei wollen wir nicht opferisieren, aber auch nichts schönreden. Die beiden Rollen, die wir innehaben, sind herausfordernd und zugleich schön! So bringen wir die Dinge mit Humor, Sarkasmus und Ernsthaftigkeit auf den Punkt.“

Den Podcast könnt ihr euch ab Januar 2022 hier auf BALKAN MINDS, Spotify und Amazon anhören.

%d Bloggern gefällt das: