Typische BALKAN MINDS

Vorbilder, Role Models im Interview

1922 führte Walter Lippmann den Begriff Stereotyp ein. Laut Lippman sind Stereotypen „verfestigte, schematische, objektiv weitgehend unrichtige kognitive Formeln, die zentral entscheidungserleichternde Funktion in Prozessen der Um- und Mitweltbewältigung haben“. Kurz gesagt: eine bestimmte Vorstellung von Personen oder Gruppen. Stereotyp wird oft negativ behaftet gesehen, da der Mensch somit zuerst urteilt, bevor er sein Gegenüber richtig kennen lernt.

Die BALKAN MINDS in der Diaspora

Als BALKAN MINDS bezeichnen wir Menschen, die ursprünglich aus einem der Balkan Staaten stammen, jedoch ihre Kindheit in einem anderen Land (Deutschland, Schweiz, Österreich, etc) verbracht haben – also Menschen mit Migrationshintergrund. Die BALKAN MINDS definieren sich durch zwei Kulturen und wertvollen Kompetenzen, die im Zusammenhang mit gesellschaftlichen und familiären Herausforderungen, früh erlernt wurden. Dazu zählen Mehrsprachigkeit, Durchsetzungsvermögen, Verantwortungsbewusstsein, Anpassungsfähigkeit, Empathie, u.v.m. Die BALKAN MINDS sind das Paradebeispiel einer gelungenen Integration.

Eine Parallelkultur

Menschen mit Migrationsbiografie erleben zwei Kulturen gleichzeitig. Viele können sich aber nicht eindeutig einer Kultur zuordnen. So entsteht eine Art Parallelkultur, eine dritte Dimension, wo Eigenschaften der zwei Kulturen miteinander verbunden werden. Die Suche nach Gleichgesinnten beginnt. BALKAN MINDS schafft so die perfekte Plattform für die Diaspora. Wir durchbrechen die Stereotypen, die nach wie vor im DACH-Raum verankert sind. Wir zeigen, dass die Integration mehr als gelungen ist und wie die Gesellschaft von unseren Skills profitiert.

Stereotypen durchbrechen

Wir haben uns im Arbeitsumfeld und Freundeskreis umgehört. Daraus ergaben sich 6 Stereotypen der „Balkan Community“:

  1. Teure Autos & Markenklamotten, aber auch die Jogginghose darf nicht fehlen.
  2. Die Familie hat Prio 1. Es wird jung geheiratet. Viele Kinder sind der Standard.
  3. Es gibt nur deftiges Essen. Brot muss immer dabei sein. Alkohol wird sehr viel getrunken.
  4. Der Jugo in der Runde übernimmt meistens die Rechnung im Restaurant.
  5. Die Frauen sind immer gestylt, vor allem beim Ausgehen.
  6. Alle wachsen im sozial benachteiligten Umfeld auf.

Manche Stereotypen haben sich seit der Flüchtlingsphase in den Köpfen manifestiert, wobei auch in jedem Stereotyp ein Funken Wahrheit steckt. Lasst uns nun die Punkte durchbrechen:

  1. Durch die besseren Gehälter und besseren Jobs am Arbeitsmarkt, können wir uns diesen Standard leisten und greifen eher zu Markenklamotten. Wir leisten uns das, was sich unsere Eltern nicht leisten konnten. In der Garage steht jedoch auch mal eine andere Automarke als BMW und Mercedes.
  2. Die Ich-Zeit wurde eingeführt. Was damals noch undenkbar war, wird heutzutage von der Balkan Diaspora gelebt. Das Großfamilien-Leben rückt etwas in den Hintergrund, vor allem wenn es darum geht, gemeinsam in einem Haushalt zu leben. Frauen werden nicht mehr unter Druck gesetzt jung zu heiraten und Kinder zu kriegen. Das Alter, wann eine Frau Kinder bekommt, rückt auch in der Balkan Community nach hinten.
  3. Ćevape, Burek, Bohnensuppe, generell Fleisch und Weizen kommen auf den Tisch. Das deftige Essen und der Alkohol gehören zur Kultur. Es wird aber nun bewusster gegessen und Vollkornprodukte, Chia, sowie Avocados finden sogar in den Balkan Ländern ihren Weg auf den Essenstisch.
  4. Ja, der Jugo zahlte früher die Rechnung. Heutzutage haben wir uns der westlichen Kultur angepasst und können auch mit ruhigem Gewissen „getrennt“ zum Kellner sagen.
  5. Die extrovertierte Mode, die in den Jugo Musikvideos zu sehen ist, wird eher in Städten wie Belgrad oder Zagreb getragen. Im DACH-Raum orientieren sich Frauen der Balkan Diaspora am westlichen Style.
  6. Durch die bessere Ausbildung und das neue Mindset brechen wir aus der sozialen Benachteiligung aus. Den Grundstein legten unsere Eltern durch harte Arbeit und Durchhaltevermögen.

Der Durchbruch der Stereotypen spiegelt sich in der Parallelkultur wider. Wir passen uns den neuen Gegebenheiten und dem westlichen Lifestyle an, zahlen aber so den Preis der Entfremdung von der ursprünglichen Kultur.

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